Die Androhung, der heimischen Universität den Rücken zu kehren und in die Fremde zu gehen, war seit jeher ein probates Mittel der Studenten,
Missstände anzuzeigen. Wo heutzutage Demonstrationen herhalten müssen, kamen in der Vergangenheit drastischere Mittel zur Anwendung.
Wir befinden uns am Anfang des 15. Jahrhunderts: Am 18. Januar 1409 ändert der Böhmenkönig Wenzel lV. das Stimmrecht der vier studentischen Nationen
an der Karls-Universität Prag zu Gunsten der tschechischen. Als zudem am 9. Mai 1409 der rechtmäßige deutsche Rektor Henning Boltenhagen vom
König abgesetzt wird, hat sich der Streit zwischen Böhmen und Deutschen so weit zugespitzt, dass nun 2000 deutsche Studenten – etwa 500 bleiben in Prag – und ihre
Lehrer die Universität verlassen.
Man zieht Breslau und Leipzig als neue Gründungsorte einer Universität in Erwägung. Es ist dem guten Kontakt zum Markgrafen von Meißen, Friedrich lV., der Streitbare,
und dem Rat der Stadt Leipzig zu verdanken, dass sich die Auswanderer für die Stadt an der Pleiße entscheiden. Schon im Juli 1409, etwa zwei Monate nach dem Auszug,
kauft die Stadt Leipzig ein Haus in der Petersstraße, das sie den Ankommenden übergibt.

Einzug der Prager Studenten in Leipzig. Gruppe aus dem historischen Festzug anlässlich des 500jährigen Bestehens der Universität mit dem Modell des Prager Doms und den Wappen der vier Nationen; nach Originalen von Erich Gruner. Bildquelle: Universitätsbibliothek Leipzig. Signatur: NU 3217 G888
Von den ausgezogenen Studenten kommen im 1. Semester nur etwa hundert nach Leipzig.
Erfahren Sie hier mehr zur Geschichte der Universität Leipzig.
